Warum wir den Nachthimmel verlieren
Über einem Drittel der Menschheit ist die Milchstraße bereits unsichtbar. Die Ursachen liegen nicht am Himmel, sondern auf der Erde.

Es gibt eine Karte, die in Fachkreisen berühmt ist: Sie zeigt Europa bei Nacht, aufgenommen aus dem Orbit. Von Mailand bis Rotterdam zieht sich ein zusammenhängendes Band aus Licht. Für Astronomen ist dieses Band ein Problem, für Biologen eine Katastrophe.
Künstliches Licht streut in der Atmosphäre und erzeugt eine Aufhellung, die den Kontrast schwacher Sterne verschluckt. In einer mittelgroßen deutschen Stadt sind statt der rund dreitausend theoretisch sichtbaren Sterne oft weniger als hundert zu erkennen.
Dabei ist nicht die Menge des Lichts allein entscheidend, sondern seine Richtung und Farbe. Ein erheblicher Teil der Straßenbeleuchtung strahlt ungenutzt nach oben. Der Umstieg auf LED hat das Problem in vielen Kommunen verschärft, weil kaltweißes Licht im blauen Spektralbereich besonders stark streut.
Die Folgen betreffen längst nicht nur die Sternenbeobachtung. Zugvögel verlieren ihre Orientierung, Insekten sammeln sich zu Tausenden an Laternen, und bei Menschen stört nächtliches Blaulicht die Produktion von Melatonin.
Die gute Nachricht: Lichtverschmutzung ist die einzige Umweltbelastung, die sich buchstäblich per Schalter beheben lässt. Städte wie Fulda oder das Sternenpark-Gebiet der Rhön zeigen, dass abgeschirmte, warmweiße und zeitlich gedimmte Leuchten kaum Mehrkosten verursachen.
Wer einmal einen wirklich dunklen Himmel gesehen hat, versteht, was auf dem Spiel steht. Die Milchstraße wirft dort tatsächlich einen schwachen Schatten — ein Anblick, den Generationen vor uns für selbstverständlich hielten.